Digitalisierung verändert alles

Diese Aussage ist so oder ähnlich momentan überall zu hören und zu lesen. Stimmt sie?

Ok, mal angenommen, ja. Wobei dann alles wie meistens doch irgendwie übertrieben scheint. Wenn sich also zumindest viel verändert: Wie wird es dann sein? Werde ich mich persönlich mit diesem ‚anders‘ anfreunden können? Komme ich damit zurecht? Birgt die ‚Digitalisierung‘ Risiken für mich, vielleicht bezüglich meines Arbeitsplatzes? Oder lassen sich andererseits sogar Vorteile daraus erzielen in Sachen Bequemlichkeit, Luxus, Freiheit oder Freizeit?“ Vermutlich nicht vorauszusehen, nicht in Gänze. „Heilsversprechen“ brachte schon so manche technische oder gesellschaftliche Umwälzung mit sich – zumindest für einige. Für andere war sie manchmal auch Fluch.

Was ist das eigentlich, diese „Digitalisierung“? Kommt da etwas Unabänderliches, Schicksalhaftes auf uns zu wie das Wetter – oder wie der Klimawandel? Wobei letzterer vielleicht doch zumindest in seinen Ausmaßen hoffentlich abwendbar wäre, wenn wirklich alle Erdenbewohner inklusive solcher mit komischen Frisuren und eigentümlichen Tweets an einem Strang ziehen würden. Doch das steht vielleicht einmal in einem anderen Blogbeitrag. – Zurück zur Digitalisierung.

Unabänderlich? Schicksal? Wird das von einigen wenigen gemacht und wir sind die Opfer?

Was wir übersehen: „Digitalisierung“ ist eine Nominalisierung eines Verbs. „Digitalisieren“ ist die Tätigkeit, die dort drin steckt. Und sie wird von Menschen gemacht. Einerseits sind das diejenigen, die sich, oft aus Lust an der Sache und Spaß am Neuen, aktiv damit beschäftigen, mittels digitaler Technik Vorgänge neu zu gestalten und dabei auch neu zu denken oder gar Dinge (nochmals) zu erfinden.

Andererseits sind die Treiber der Digitalisierung diejenigen, die zum Beispiel in ihrem Unternehmen die Entscheidungen treffen, ob, wo, wie und wann was „digitalisiert“ werden soll – oder auch nicht. Die Frage, die sich (für jeden von uns?) stellt: Bin ich Objekt oder Subjekt?

Sieht sich jemand eher in derRolle des „Objekts“, also dessen, mit dem etwas geschieht, entlarvt sich dies leicht an einer Aussage wie „Wir müssen uns der Digitalisierung stellen.“ Klingt so wie: „Wir müssen bei Regen einen Schirm mitnehmen.“. Hört sich irgendwie wie Kanzlerinnendeutsch an, deutet aber nicht gerade auf einen aktiven Part hin: Digitaler Nichtschwimmer.

Besser würde sich für meine Ohren Folgendes anhören, ob von Regierungsvertretern oder Führungsspitzen in Unternehmen: „Die Nutzung aktueller und die Entwicklung künftiger digitaler Technologien und darauf basierender Verfahren bietet die Chance, Veränderungen und Verbesserungen in vielen Bereichen einzuleiten und neue Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Wir tun bzw. forcieren das, was sich in unserem Verantwortungsbereich als machbar, vernünftig und zukunftssichernd erweist.“ Oder so ähnlich eben.

Auf jeden Fall nicht in dem Sound „Oh, da kommt was auf uns zu, und da müssen wir jetzt aufpassen, dass uns da nicht die Felle davon schwimmen und dann womöglich andere…, oh Schreck – aufhalten oder zurückdrehen lässt sich das ja wohl leider nicht, na ja, dann machen wir halt mit und schauen mal.“ Oder so ähnlich eben.

Liebe Politiker/innen, Unternehmenslenker/innen, Top- und Mittelmanager/innen – und auch liebe Unternehmensberater/innen: „Digitalisierung“ ist kein Zustand, es ist auch kein unangenehmer Umstand! „Digitalisieren“ ist ein Verb, zu meiner Grundschulzeit auch Tu-Wort genannt. Sie müssen also etwas tun – und nicht nur einfach abwarten und sich „dem stellen“.

Und jetzt schauen Sie bitte rasch mal in Ihrem Umfeld nach, wo sich Ansatzpunkte bieten, mittels digitaler Technik Prozesse schneller, bequemer, ressourcenschonender, umweltfreundlicher, menschenfreundlicher oder sonstwie besser zu gestalten. Sie können sicher sein: Parallel zu Ihnen tun das andere. Leute, die „Bock drauf haben, was zu reißen“. Leute die es cool finden,

  • eine Weinlaune-Idee konsequent zu Ende zu denken,
  • dann auch noch umzusetzen und, weil das dann auch andere cool finden,
  • einen sauberen Exit hinzulegen und damit das Geld auf einen Schlag zu verdienen, wofür andere viele Jahre, einige Gönner und womöglich manche Intrige gebraucht haben.

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