Corona: Kontaktverbot

Früher, also noch letzte Woche, war es so, dass man die Straßenseite gewechselt hat, wenn einem eine Person begegnet ist, die man auf keinen Fall treffen wollte. Zum Beispiel die „Ex“.

Heute habe ich mich dabei ertappt, über die Straße zu gehen und dabei zu beobachten, dass ein mir unbekannter Mensch zufällig gleichzeitig das Gegenteil tat, nämlich auf meine bisherige Seite zu wechseln.
Und ich fragte mich in diesem Moment: Denkt er vielleicht, dass ich seinetwegen auf die andere Seite gehe wegen Corona? Oder wollte er mir ausweichen, um den jetzt verordneten Abstand einzuhalten? Verrückte Gedanken in einer verrückten Zeit.

Wenig später sehe ich scheinbar eine Warteschlange vor Aldi (war letztlich gar keine, sah aber so aus). Und ich denke: Aha, nun also (wieder) Schlangen vor der „Kaufhalle“. Der Ossi kennt´s und hat ein Déja vu, der Wessi muss sich daran erst gewöhnen. Ich muss schmunzeln über den Gedanken und frage mich, ob wirklich der Kapitalismus über den Sozialismus gesiegt hat. „So seh´n Sieger aus…“

Dann treffe ich eine Nachbarin auf der Straße und wir unterhalten uns in den empfohlenen zwei Metern Abstand und zwar mit lauter Stimme, weil es doch auch jetzt noch so etwas wie Verkehrslärm gibt. Das Thema natürlich: Homeoffice, und dass das eigentlich gar nicht so schlecht ist.

Später am Tegeler Hafen erlebe ich sie dann doch: Die Stille. Faszinierend, wie ruhig diese Stadt an einem Montag Nachmittag sein kann. Und das jetzt nicht irgendwo an der Stadtgrenze sondern doch noch einigermaßen urban.

Das Gefühl von Ruhe setzt sich bei meinem Spaziergang am Seeufer fort. Normalerweise kann man hier oft den Fluglärm vom Airport Tegel deutlich vernehmen. Heute bleibt es still. Und selbst die doch nicht wenigen Nachmittagsspaziergänger wirken irgendwie ruhiger als sonst. Eigentlich schön – könnte das nicht vielleicht dauerhaft so…,? Ich mein´ ja nur. –  Nein, nicht wirklich, wenn man an die Ursache denkt. 

Aber: Ist die Ruhe am Tegeler See vielleicht der Vorgeschmack auf den geschlossenen Flughafen? Wow, so fühlt sich das Leben nach TXL also an! Doch halt: Was wollten die nochmal machen, bevor der BER in Betrieb geht? Und wann? Einen Belastungstest mit Tausenden von Komparsen mit Gepäckabfertigung usw. – im Sommer. Meine Einschätzung: Vergesst es! Nun ja, es wäre wirklich Ironie des Schicksals, wenn nun auch noch eine Pandemie das Ganze weiter verschiebt beim ohnehin nicht zu wenig von „Schicksalsschlägen“ und anderen Katastrophen heimgesuchten Hauptstadtflughafen. 

So dauert mein Spaziergang letztlich zwei Stunden und ich kehre zum Schluss noch bei Rossmann ein. Gleich vorweg: Nein, es gab kein Klopapier mehr um 18 Uhr, vielleicht morgen ab sieben, aber nach acht dann schon nicht mehr, meint die Kassiererin. Erstaunlich entspannt kann ich um diese Zeit durch die Gänge schlendern, keine Hektik und überhaupt recht leer der Laden. Auch das könnte von mir aus immer so sein: Gelassenheit, Ruhe und freundliche, friedliche Menschen unterwegs.

Danke für den heutigen Nachmittag, Corona!