Woher kommt Gesundheit?

Der Begriff der Salutogenese

Fast überall lesen wir von sogenannten „Risikofaktoren“ für diese und jene Erkrankung. Ja, sicher ist es gut zu wissen, dass Rauchen Krebs verursacht und fettes Essen Herz- und Kreislauferkrankungen fördert. Doch lässt sich umgekehrt auch fragen: „Was brauche ich?“ statt „Worauf muss ich verzichten?“

Verschiedene Studien belegen, dass unter anderem folgende „Schutzfaktoren“ die menschliche Gesundheit erhalten helfen:

  • Sozialer Rückhalt
  • Partnerschaft
  • Sexualität
  • Humor
  • Flow-Erlebnisse
  • Lebenssinn
  • Genuss
  • Sport
  • Entspannung
  • Immunsystem

Was bedeuten die Faktoren im einzelnen konkret?

Sozialer Rückhalt

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei."

Altes Testament - 1. Mose 2

In früheren Zeiten waren feste Beziehungssysteme wie Familie, Nachbarschaft und auch der über Jahre stabil bleibende Kollegenkreis Garanten für ein relativ konstantes soziales Gefüge. Heute ist dies anders, wie wir alle (teils leidvoll) erfahren. Es kommt heute mehr denn je darauf an, die einem wertvoll erscheinenden mitmenschlichen Kontakte bewusst wahrzunehmen und aktiv zu pflegen. Dabei ist es naturgemäß wichtig, über ausreichende Kommunikationsfähigkeiten zu verfügen.

Nicht die Zahl der menschlichen Kontakte, sondern deren Qualität spielt dabei die entscheidende Rolle. Wenige vertrauensvolle Beziehungen sind günstiger als viele oberflächliche Kontakte. Wer als „Hansdampf in allen Gassen“ überall mitmischt oder auf seine vielen Facebook-„Freunde“ stolz ist, hat damit zwar potentiell viele Bekannte, jedoch nicht unbedingt echte Freunde oder Vertraute.

Partnerschaft

Die Erfahrung lehrt uns, dass die Liebe nicht darin besteht, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung blickt.

Antoine de Saint-Exupéry - 1900-1944 französischer Schriftsteller und Flieger

Eine besondere „Klasse“ einer sozialen Beziehung stellen Ehe- und Liebesbeziehungen zu einem anderen Menschen dar. Oft merken wir erst bei einer Trennung oder dem Verlust des Partners, wie wichtig dieser für uns war. Und nicht selten sind bei älteren Menschen nach dem Tod des Lebenspartners auch gesundheitliche Folgen wahrzunehmen. Nicht umsonst spricht man bei der Liebe ja auch von einer „Herzensangelegenheit“.

Wer jetzt gerade ohne Partner ist, wird vermutlich an dieser Stelle seufzen und sehnsuchtsvoll hoffen, dass sich dieser Zustand möglichst bald ändert. Diese momentane Traurigkeit ist natürlich bedauerlich. Sie ist jedoch auch der Antrieb, aktiv zu werden. Und der „eingefleischte Single“ kann ja an dieser Stelle mal überlegen, ob er es wirklich ernst meint damit, lieber allein bleiben zu wollen.

Sexualität

Beim Thema Sexualität geht es nicht nur um den Geschlechtsakt als solchen. Vielmehr ist hier die Gesamtheit der körperlichen Berührungen von Bedeutung. Auch Flirten gehört im weiteren Sinne dazu. Berühren und berührt werden sind Grundbedürfnisse des Menschen, auch und gerade bei Babys und Kleinkindern. Und wenn Du einmal tröstend die Hand eines sehr alten Menschen gehalten hast, dann hast Du vielleicht etwas von dessen Wohlgefühl dabei gespürt oder zumindest erahnt.

Die sexuelle Erregung und letztlich Erfüllung wiederum hat stimulierende Wirkung auf Herz, Kreislauf und Hormonhaushalt. Dem Gesicht der sprichwörtlichen „Alten Jungfer“ kannst Du oft so manches (verdrängte) Leid ansehen.

Humor

"Lachen ist gesund."
"Lachen ist die beste Medizin."

Volksweisheiten

Dass Lachen gesundheitsfördernd ist, ist wohl mehr als alles andere Volkswissen. Doch Wissen allein genügt nicht. Manche lachen offenbar gar nicht (oder gehen dazu in den Keller). Manchmal kommt die Antwort „Ich habe ja auch nichts zu lachen.“ Etwas patzig könnte man entgegnen: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Ist das Lachen ein Zeichen dafür, dass man das Leben leicht nimmt oder ist es umgekehrt sogar Voraussetzung dafür, Leichtigkeit in sein Leben zu bringen? Lachschulen verzeichnen jedenfalls wachsenden Zulauf.

Flow-Erlebnisse

Hattest Du schon einmal das Erlebnis, dass Du in eine Sache so richtig „versunken“ warst und Du darüber die Zeit vergessen hast? Dann könnte es sich um ein sogenanntes Flow-Erlebnis gehandelt haben, wenn sich dabei oder danach ein Glücksgefühl eingestellt hat. Solche Flow-Zustände entstehen nicht so eben mal nebenbei, sondern werden regelrecht „erarbeitet“. Allerdings befinden sich Anforderung und Können in einem Gleichgewicht. Das kann sowohl auf körperlicher, psychischer oder intellektueller Ebene geschehen. Und das resultierende Gefühl von Erfüllung, Wohlbefinden, Stolz, Glück oder wie Du es auch nennen magst,  wirkt auf die ganze Person gesundheitsfördernd.

Lebenssinn

Die Frage nach dem Sinn des Lebens beginnt mit dem Wort „wofür“. Wofür tust Du das, was Du tust im Leben? Gibt es so eine Art „Zukunftsentwurf“ für Dein Leben? Widmest Du Dein Dasein einem höheren Ideal? Alle diese Fragen können den Kleinigkeiten, die Du tagtäglich erledigst, eine Orientierung und einen Sinn geben.

Dabei müssen es keine herausragenden Visionen sein, die Dich leiten. Nicht jeder ist dazu berufen, die Welt zu retten. Aber vielleicht liegt Deine Aufgabe (und Dein Glück) darin, dass Du

  • jungen Menschen hilfst, den Weg ins Leben zu finden (als Lehrer, Erzieherin oder als Eltern)
  • anderen Menschen ein Umfeld schaffst, in dem diese sich wohlfühlen und selbst ihr Bestes geben können (als Chefin, Putzfrau oder Stadion-Architekt)
  • Menschen darin unterstützt, ihren verdienten Lohn der Arbeit zu genießen (als Betreuerin in einem Seniorenheim, Anlageberater oder als Angestellte in einem Reisebüro

Genuss

Was Genuss ist, davon hat jeder eine andere Vorstellung: Das Glas edlen Weins, das Konzert eines Spitzenorchesters, die Tüte Eis an einem schönen Sommertag…

Doch für manchen ist der Schritt vom Genusserleben zum schlechten Gewissen nicht sehr weit: „Eigentlich sollte ich doch besser…“. Genuss gerät oft in die Nähe von Sünde, während Leistungsbereitschaft und Pflichtbewusstsein zu Leitmotiven unserer „modernen“ Kultur geworden sind. Dass das Wort „Spaßgesellschaft“ fast zum Unwort wurde, spricht Bände.

Wenn ich schon sündige, dann aber richtig und ohne schlechtes Gewissen.

Peruanisches Sprichwort

Vielleicht liegt der Schlüssel zum „Erlauben“ von Genuss in der Balance. Zu viel des Guten („jeden Tag Weihnachten“) nimmt letztlich das Besondere, das den Genuss mit ausmacht. Und: Genuss erfordert Bewusstheit. Wenn alles nur an mir vorbeirauscht, nehme ich die besonderen Kleinigkeiten im Leben nicht wahr. Ohne Hinwendung zum jeweiligen Erlebnis gelingt mir kein echter Genuss. Genuss liegt auch in der Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche: Weniger ist mehr.

Sport

No sports!

Winston Churchill (1874-1965 britischer Staatsmann)

Winston Churchill mag zwar seine Zigarre bewusst genossen haben, doch mit seinem Ausspruch lag er meines Erachtens voll daneben. Gott sei Dank hat das eine große Zahl der deutschen (und auch der englischen) Bevölkerung ebenfalls erkannt. Die wachsende Zahl der Jogger in Parks und Wäldern, die boomenden Fitnessstudios sind ein Beleg – ja wofür eigentlich?

Ist es einfach nur modern oder „hip“, Workout zu betreiben, nordisch zu walken oder sich beim Aerobic richtig auszupowern? Oder ist dahinter tatsächlich eine Bewusstheit dafür, dass das, was nicht benutzt wird (Muskeln, Sehnen und Gelenke) verkümmert?

Was auch immer für den Einzelnen Motivation sein mag – praktisch alle Studien beweisen, dass Bewegung gut tut. Und ehrlich: Dazu braucht es nicht einmal die Wissenschaft, um das selbst herauszufinden. Wie viel wovon für jeden das richtige Maß ist, vermag die eigene Einschätzung wohl am besten zu bestimmen. In Zweifelsfällen berät auch der Arzt.

Doch nicht nur der Körper profitiert von sportlicher Betätigung. Auch die Seele hat etwas davon. Und auch wenn Du das sogenannte „runners high“ nie wirklich kennenlernen solltest, ganz sicher hat Dein Selbstwertgefühl gewonnen, wenn Du Dich von der Couch in den Wald oder auf das Laufband aufgemacht hast.

Entspannung

Immer unter Strom stehen? Immer aktiv sein? Stets volle Power? Das hältst Du nicht lange durch, versprochen. Auch hier heißt das Zauberwort „Balance“. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung hat sich für Gesundheit und Wohlbefinden als „goldener“ Weg herausgestellt. Zu viel Ruhe ist dabei genauso schädlich wie zu wenig.

Wie Du zur Ruhe kommst, dafür gibt es verschiedene Wege: Yoga, Autogenes Training, Meditation, Qi Gong und so weiter. Für „Entspannungs-Einsteiger“ ist vielleicht die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson am geeignetsten. Dabei werden im Wechsel die Muskeln nacheinander angespannt und wieder entspannt. Weil wir es gewohnt sind, die Muskeln anzuspannen (oft leider auch unnötigerweise), findet meines Erachtens auch der Leistungstyp einen schnellen Zugang zu dieser Methode.

Bei den Selbstheilungskräften des Körpers kommt dem Immunsystem eine besondere Rolle zu. Es sortiert u.a. nach den Stoffen, die zu uns gehören und denen, die fremd sind und uns schädigen können. Leider kann dieses System auch überreagieren, was wir an Allergien oder Krankheiten wie Rheuma sehen.

Lange Zeit galt die Lehrmeinung, das Immunsystem sei völlig autonom. Ein Zusammenhang zu den seelischen Vorgängen im Menschen wurde nicht gesehen oder gar geleugnet. Unter anderem mit der Entdeckung der Placebo-Wirkung muss dies in Zweifel gezogen werden. Die Gabe eines Scheinmedikaments führt oft tatsächlich zu der „versprochenen“ Wirkung, obwohl nur unwirksame Stoffe wie Traubenzucker o.ä. enthalten sind. Sogar Scheinoperationen mi entsprechender Wirkung hat es schon gegeben.

Unser Körper ist unser Garten...unser Wille der Gärtner.

William Shakespeare (1564-1616 englischer Dichter und Dramatiker)

Vorstellungsinhalte, Gedanken und Gefühle können zu körperlichen Reaktionen führen, die wiederum zu einer Stimulation von Selbstheilungskräften beitragen. Die „Macht Deiner Gedanken“ spielt also auch eine Rolle dabei, wie gut es Dir körperlich geht.

In diesem Sinne: Achte auf Deine Gedanken – und bleib‘ gesund!