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Sich Ziele setzen und erreichen – aber wie?

„Domine, quo vadis?“ („Wohin gehst Du, Herr.“) soll der Apostel Paulus auf der Via Appia bei Rom Christus gefragt haben. Im Alltag wird die Phrase quo vadis oft im Sinne von  „Wie soll das weitergehen?” verwendet. In beiden Fällen lässt sich auch die Frage stellen: „Was ist Dein Ziel?“.  – Wann hast Du Dir diese Frage zuletzt gestellt?

Im Leben bestimmte Dinge erreichen, Erfolg haben, mit sich zufrieden sein, das möchte wohl jeder von uns. Oft sind es eher vage Vorstellungen vom „Endprodukt“. Manchmal sind es mehr Wünsche als Ziele. Ab und zu möchten wir auch, dass jemand anderes etwas für uns tut oder sich in einer bestimmten Weise verhält. Bisweilen erreichen wir etwas und sind am Ende gar nicht so glücklich, wie wir es vorher glaubten, weil sich vielleicht ein unerwarteter Nebeneffekt ergeben hat oder es sich nun ganz anders als gedacht „anfühlt“.

Es macht einen Unterschied, ob Du sagst: „Später will ich mal reich sein.“ oder ob Du sagst: „Mit 45 will ich 250.000 Euro auf dem Konto haben, die ich mit eigener Arbeit verdient habe.“.  Welcher Satz wird Dich wohl eher anspornen, einen Job zu finden, mit dem Du gutes Geld verdienst? Natürlich weißt Du in beiden Fällen nicht, ob das Ereignis tatsächlich so eintritt. Vielleicht hast Du das Geld ja auch schon früher zusammen… Und vielleicht fühlst Du Dich mit 250.000 Euro auch nicht wirklich reich.

Tatsache ist jedoch, dass wir eine Gewissheit brauchen, wann wir am Ziel angekommen sind. Dein Navigationssystem im Auto braucht eine Zieleingabe, um Dir die Route zu soufflieren, und es sagt Dir am Ende so etwas wie „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“.

Bei der Formulierung von Zielen hat es sich bewährt, sich bestimmte Fragen zu beantworten:

  • Was genau will ich erreichen?
  • Wann, wo und mit wem will ich es erreichen?
  • Woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht habe?
  • Habe ich es selbst in der Hand oder bin ich dabei von irgendjemand oder irgendetwas abhängig?
  • Ist es realistisch, dass ich das schaffe?

Zwei weitere Fragen kommen noch hinzu:

  • Wozu will ich das erreichen?
  • Welche Konsequenzen hat das eventuell, wenn ich mein Ziel erreiche?

Probiere es aus! Nimm einen langgehegten Wunsch und „checke“ diesen mit den obigen Fragen. Wie genau gelingt es Dir, das zu formulieren, was Du willst? Was sind die Kriterien, an denen Du erkennen kannst: „Ziel erreicht!“? Und was ist eigentlich der Nutzen daran, wenn Du es dann geschafft hast?

Ich will…

Machen wir es noch konkreter an einem Beispiel. Jemand sagt vielleicht: „Ich will selbstsicherer werden.“. Fragen wir ihn (oder sie): In welchen Situationen möchtest Du diese Selbstsicherheit haben?, kommt vielleicht als Antwort: „Wenn ich in meinem Beruf vor Leuten reden muss.“ Nun wissen wir schon, dass es nicht um Selbstsicherheit im Allgemeinen geht (die er oder sie vielleicht sogar hat), sondern dass es bestimmte Anlässe betrifft. Fragen wir weiter: „Woran würdest Du erkennen, dass Du selbstsicher bist?. Mögliche Antwort: „Daran, dass ich mich locker fühle, mein Atem ruhig ist und dass mir zur rechten Zeit die richtigen Worte einfallen.“ Aha. Nun können wir uns, vor allem aber derjenige selbst, einen Menschen vorstellen, der diese Eigenschaften hat und sich daher als selbstsicher bezeichnet. Auf die anschließende Frage „Was verhindert denn heute, dass Du so nicht bist? folgt eventuell die Antwort: „Ich habe Angst, einen Fehler zu machen oder nur Blödsinn zu erzählen.“. Hier lohnt oft die Frage, was denn dann im schlimmsten Fall passieren würde. Überraschenderweise sind die Befürchtungen oft gar nicht so groß, wenn sie erst einmal ausgesprochen sind. Nun zur Frage, wozu es denn gut für denjenigen ist, in den genannten Situationen selbstsicher aufzutreten. Dahinter steckt die eigentliche Motivation für das Erreichen des Ziels. Das kann in diesem Falle der Wunsch sein, auf der Karriereleiter etwas höher zu steigen oder aber, seinen Job abzusichern, weil es dort dazu gehört, vor anderen zu reden.

Mach‘ den „Öko-Check“!

Oft gibt es noch unbewusste „Störer“ die das Erreichen eines Ziels sabotieren. Fragen wir also: „Was könnten denn für unangenehme Konsequenzen drohen, selbstsicher zu sein?“ „Nun ja,“, kommt es in diesem Beispiel, „meine Kollegen könnten mich für arrogant halten.“ Hier schlägt der sogenannte „Ökologie-Check“ fehl. Ein Teil der Persönlichkeit fürchtet hier offenbar, die Harmonie mit den Kollegen aufs Spiel zu setzen. Der Glaubenssatz „selbstsicher zu sein wirkt arrogant“ wäre hier wohl noch zu bearbeiten. Doch lässt sich nun das Ziel konkreter als oben formulieren.

Wichtig sind noch zwei Merkmale des Zielsatzes, die diesem die Wirkung einer „Suggestion“geben: Zum einen muss der Zielsatz positiv formuliert sein. Also: Statt „Ich möchte nicht mehr…“ besser: „Ich will…“. Zum anderen sollte das Ziel in der Gegenwartsform aufgeschrieben werden und die Merkmale enthalten, die überprüfen lassen, ob das Ziel erreicht ist.

Aus „Ich will selbstsicherer werden.“ könnte nun also werden: „Wenn ich in meinem Beruf vor Menschen rede, bin ich locker, atme ruhig und gleichmäßig und wähle meine Worte ganz bewusst.“

Ist damit alles getan? Sicher nicht. Allein dadurch, dass ich diesen Satz wie eine Affirmation vor mir her trage, wird sich nicht viel ändern, besonders dann nicht, wenn ich wiederholt das Gegenteil erlebe. Ich kann jedoch nun gezielt an Maßnahmen arbeiten, um den beschriebenen Zustand zu erreichen: zum Beispiel ein Atem- und Stimmtraining an der Volkshochschule besuchen. Oder autogenes Training lernen. Oder ich kann mich vor solchen Situationen noch konkreter fachlich vorbereiten, was zusätzliche Sicherheit gibt.

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