2018 naht

Viktor E. Frankl, jüdischer Psychologe, der die Haft in einem Konzentrationslager überlebte, entdeckte in dieser Zeit einen fundamentalen Grundsatz:
Zwischen Reiz und Reaktion hat der Mensch aufgrund seiner ihm gegebenen Fähigkeiten die Freiheit bezüglich seines Tuns zu wählen.
Insofern unterscheidet dies den Menschen auch prinzipiell vom Tier.

Doch manchmal, so scheint es, unterliegen auch wir Menschen geradezu einem ‘Pawlow´schen Reflex’.
Auch in diesem Jahr, welches gerade zu Ende geht, war das wieder häufig zu bemerken.

Ein Beispiel: Heute früh standen wieder Mengen von Leuten beim Bäcker an, um Pfannkuchen (für die Auswärtigen: Krapfen, Berliner o.ä.) einzukaufen. Reiz: Silvester! Reaktion: Pfannkuchen!!!).
Nur mal so viel: Es gibt dieses Gebäck grundsätzlich auch zu anderen Jahreszeiten und: es gibt auch zu dieser Jahreszeit anderes Gebäck.

Noch ein Beispiel gefällig?
Reiz: Es geht auf den 24. Dezember zu: Weihnachten!
Reaktion: Einkaufen, kochen, brutzeln, backen (und noch´n Kuchen, ist ja nur einmal Weihnachten und, ach ja, noch Plätzchen, Sahne nicht vergessen) und schließlich – Essen!!! Bis zum Umfallen bzw. semi-komatösen Dahinsiechen.
Und dabei antworten sehr viele Menschen auf die Frage, was denn an Weihnachten das Schöne sei, dass man an diesen Tagen ja so schön mit der Familie zusammensein könne. Aha. Nur einer (oder traditionell eine) steht schon Tage vorher und an den Festtagen selbst permanent in der Küche und sei es, weil ja hinterher auch jede Menge Abwasch wartet (Die Mär von der rundum entlastenden Spülmaschine glaubt weder die erfahrene Hausfrau noch der erprobte Hausmann.).

“Die Freiheit zu wählen” habe man, sagt Frankl. Wie wäre es also, wenn die Wahl mal auf “weniger” fiele, um letztlich ein “mehr” zu erreichen: mehr Nähe, mehr Gespräch, mehr Entspannung für alle.

Für 2018 habe ich daher eine gut gemeinte Empfehlung: Entscheidungsfreiraum nutzen!

Und konkrete Wünsche für das “Weniger” habe ich auch:

  • weniger Regen, der Keller unter Wasser setzt oder einem die paar Wochen Urlaub versaut
  • weniger Wind, der reihenweise Bäume umknickt und den Wald vorübergehend zum Sperrgebiet macht
  • weniger Stuss einiger politischer Wirrköpfe, die auf diese Weise den Weltfrieden bedrohen (speziell hier ist das Reiz-Reaktions-Schema gänzlich unangebracht)

“Mehr” könnte ich mir bei diesen Dingen vorstellen:

  • mehr Einsicht, dass ein ‘schneller, höher, weiter’ praktisch nur noch durch Doping erreicht wird – nicht nur im Sport.
  • mehr Rücksicht – aufeinander. Es geht auf dieser Welt nicht nur um mich und meinen persönlichen Vorteil. Ich komme zum Beispiel rascher in die S-Bahn rein, wenn ich mich erstmal neben die Tür stelle und die anderen aussteigen lasse. Win-Win nennt man so etwas auch.
  • mehr Vorsicht bei Worten und Taten, die potenzielle Aggressoren reizen können, was zu unvorhersehbaren Reaktionen führen kann – Meinungs-, Presse- und sonstige Freiheit hin oder her.
  • mehr Nachsicht mit Menschen, die (sich) nicht oder nicht mehr so viel leisten können wie der moderne Großstadt-Hipster
  • mehr wirkliche Absicht, sich selbst weiterentwickeln zu wollen, statt in seiner über Jahre kultivierten Komfortzone auf und ab zu gehen

Gibt es auch etwas zum Drauf-Freuen in 2018? Klar:

  • Deutschland wird erneut Fußball-Weltmeister. Oder Frankreich. Oder Brasilien. Oder Island.
  • Berlin-Tegel bekommt in 2018 ein neues Karstadt. Oder in 2019. Oder doch KiK.
  • Deutschland bekommt eine neue Regierung. Oder eine alte. Oder irgendwas ähnliches.
  • Jemand erklärt Donald Trump das Wort ‘Hybris’ und er versteht´s sogar.
  • Und Amazons Alexa versteht endlich bayrisch: “Alexa, jetz´ bring mir do´ g´schwind no´ a mal a Maß!”

In diesem Sinne: Ein g´scheites neues Jahr alle mitanand!

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