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#klimastreik

entrepreneurs for future vor dem Finanzministerium

Nun, gestreikt habe ich nicht an diesem Freitag. Ich habe mir frei genommen. Extra dafür, um bei der großen Demonstration in Berlin dabei zu sein. Gleitzeittag. Zeit, die ich vorausgearbeitet habe, wieder in Freizeit umwandeln.

Freizeit verbringen bei einer Großdemo? Ja. Weil das Thema wichtig ist. Und weil es mir wichtig ist, dass die Bewegung groß wird – und breit. Sie geht nicht nur Schülerinnen und Schüler an, die Freitag für Freitag auf die Straße statt in die Schule gehen. Die Bewegung braucht die Unterstützung von uns allen.

„Die da oben“ müssen merken, das „da draußen“ Menschen sind, viele Menschen, denen es nicht egal ist, egal sein kann, was „da drinnen“ ausgekungelt wird. Und es sind genau diese Menschen, für die sie arbeiten sollen, für deren Wohl sie gewählt wurden.

Nicht von ungefähr fing es vor 30 Jahren auf der Straße an. 1989. Leipzig. Und anderswo. Und immer mehr. Montags. Heute eben freitags.

Ja, und „die da drinnen“ haben damals auch versucht, durch Reförmchen und halbgare „Wir haben verstanden“-Bekenntnisse das wohl Unaufhaltsame doch noch aufzuhalten: Den Wandel, den es brauchte, weil das alte so schon längst nicht mehr funktionierte.

Am heutigen Tag bin ich Teil dieser Bewegung. Ich kenne keinen der Menschen direkt um mich herum. Und fühle mich doch mit ihnen verbunden. Bin in der Masse ganz bei mir, mit meinen Gedanken – und meinen Gefühlen. Muss schlucken zwischendurch, weil mich die Reden da vorn anfassen. Und weil es Laien (keine Lindnerschen Experten) schaffen, das alles hier zu mobilisieren. Mit ihrer unbekümmerten Art, ohne geschliffene Rhetorik und doch selbstsicher und überzeugend. Wow! Hätte ich das als Jugendlicher auch geschafft? Nein. Nicht mal heute als Ü50 mit so viel Lebenserfahrung.

Ich bin heute bei weitem nicht der einzige „Senior“ in der Menge. Gut so. Wir sind viele, neben unseren Kindern oder Enkeln. Es sind auch Unternehmer da. Modern denkende uns modern handelnde Unternehmer*innen. Ich bekomme Mut und Zuversicht durch sie. Denn neben den fridays-for-future-Jugendlichen sind die, die heute hier sind als „entrepreneurs for future“ genau die Leute, die wir brauchen. Erwachsene Menschen, die etwas tun und nicht nur reden. Leute, die an diesem Tage nicht an den verlorenen Umsatz denken, sondern an das Große Ganze dahinter, das auch sie und ihr Unternehmen trägt.

Es ist auch Party vor dem Brandenburger Tor. Nachdenkliche Party mit Musik und klugen Redebeiträgen. Ich denke zwischendurch an den 4. November 1989. Alexanderplatz. Großdemo: Eine Million Menschen wohl damals. Schaffen wir auch noch, hoffentlich. Ich komme wieder. Nicht streiken. Aber frei nehmen. Nicht fürs Klima – für uns!