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Oh Du fröhliche, oh du selige Weihnachtszeit! – Ein Weihnachts-Medley in der Corona-Edition

Es ist ein Ros entsprungen

Nein, ein Virus sprang – und zwar wohl von einer toten Fledermaus auf irgendeinem Markt in China – geradewegs auf den Menschen über. So lautet die Mär. In China selbst lautet die Geschichte anders: Auf einer gefrorenen Haxe oder so soll das Virus aus Europa seinerzeit ins ehemalige Kaiserreich gekommen sein.

Na gut, und weil die Chinesen alle Erfindungen nachbauen und dann in Massen exportieren, kam halt auch dieser winzige, possierliche Schelm „Coroni“ in die westliche Welt zurück.

Und damit fing das alles hier an. Der Weihnachtsmann trägt daher jetzt Alltagsmaske zum Rauschebart (Kann sich das Virus eigentlich in Barthaaren verfangen? Wenn ja: Arme Hipster!) Und das Kind in der Krippe schaut hoch in maskierte Gesichter der Verwandten und fragt sich “Warum lächeln die nicht? Freuen die sich etwa nicht?” – Äh doch, schon, aber…, wie soll ich Dir das jetzt erklären…?

Vom Himmel hoch

kam das Virus also nicht, aber aus heiterem Himmel dann irgendwie schon. Doch himmelherrgottsakrement*! – wann ist das alles endlich wieder vorbei? Bringen die drei Könige (Sie heißen übrigens Caspar, Melchior und Balthasar und nicht Biontech, Moderna und AstraZeneca) zum Ende dieses Jahres endlich Vakzine statt Myrrhe und Weihrauch? Dann wäre die Aussicht auf Weihnachten 2021 schon mal etwas optimistischer.

*) mundartlicher Fluch in südlichen Regionen Deutschlands

Ihr Kinderlein kommet

bitte in diesem Jahr doch nicht zu uns, sagen Oma und Opa. Sonst bringt Ihr uns womöglich ein “Geschenk” mit, welches wir so gar nicht gebrauchen können (also eigentlich wie immer).

Stille Nacht

wird es dann also werden, wenn sich maximal fünf Erwachsene plus endlos viele Kinder treffen dürfen. OK, es kann dann immer noch recht lebhaft werden mit den kleinen Geschenkeempfängern. Doch der große Besuchsmarathon zu allen Tanten, Onkeln, Nichten und Neffen, Geschwistern und deren Familien – das wird nix dieses Jahr. Vielleicht also tatsächlich (endlich mal!?) eine STILLE Nacht – und ein paar stille Tage danach mit Netflix & Co. Diesmal übrigens keine gute Filmempfehlung: „Stirb langsam“. (Sorry, schwarzer Humor – tiefschwarz!)

Süßer die Glocken Kassen nie klingeln

Das ist normalerweise die Grundmelodie im Einzelhandel in der Vorweihnachtszeit. Tja, daraus wurde nun auch nichts. In diesem Jahr summt nur Jeff Bezos* leise vor sich hin.

*) Chef von Amazon, reichster Mensch der Welt

Kling, Glöckchen klingelingeling

Ah, schon wieder der Paketbote! Kurze Frage: Ist eigentlich die blaue Papier-und-Pappe-Tonne inzwischen wieder geleert?
Was ist denn diesmal angekommen?

Es ist für uns eine Zeit angekommen

Und zwar eine Zeit, in der wir über so einiges nachdenken (sollten):

  • Wie digital sind unsere Schulen? Damit ist nicht nur die Technik gemeint, sondern auch diejenigen, die das dann bedienen sollen.
  • Was und wer ist wirklich wichtig (neudeutsch: “systemrelevant”)? Dazu hatte ich hier schon mal ein paar Gedanken aufgeschrieben.
  • Wie war das nochmal mit der Klimakrise? Und wollen, sollen oder dürfen wir jetzt nicht mehr fliegen? – Viel Platz am BER. Und die FDP dachte, dass der Flughafen zu klein sei!

Apropos nochmal zum Tür öffnen:

Macht hoch die Tür

und natürlich das Fenster weit auf: AHA + L wie Lüften!

Morgen, Kinder wird´s was geben,

hat uns Herr Spahn versprochen, nämlich einen Impfstoff. Nur: Wo nehmen wir jetzt all die Superkühltruhen her, um das Zeug zu lagern? Tipp: Schaut doch mal bei Amazon. Dank Prime schon morgen da. Und das Video zur Anwendung gibt´s bestimmt auf YouTube (Lasst bitte ein Like und ein Abo da!).
Übrigens: Kunden, die eine Kühltruhe kauften, bestellten auch: Schnitzel, Tiefkühlpizza, Eiswürfelbereiter.

Oh, Tannenbaum…

…müssen wir ja auch noch schmücken! Bitte dabei 1,50m Abstand einhalten, damit der Baum nicht „angesteckt“ wird – und die Feuerwehr kommen muss. Kugeln und Lametta notfalls einfach aus der Distanz auf den Baum werfen. Mal ein etwas anderes „Design“.

Alle Jahre wieder…

…Lockdown, Masken, Kontaktverbot? Nein, bloß nicht!!! Lieber jetzt einmal richtig alles dicht machen, hoffentlich damit die Zahlen endlich senken und dann zügig „durchimpfen“.

Herbei oh Ihr Gläubigen Gläubiger,

wird sicher keiner der Restaurantbesitzer, Kinobetreiber oder Kulturschaffenden rufen, wenn er an seine Einnahmen in den letzten Wochen und Monaten denkt. Ganz im Gegenteil: Beim Blick ins Konto kommt ihm ein anderes Lied in den Sinn: „Es wird scho glei dumpa“*

*) Tiroler Mundart. Deutsche Übersetzung: „Es wird schon gleich dunkel“

Trotz allem:

Lasst uns froh und munter sein!


Dem ist nichts hinzuzufügen außer:


Feliz navidad* bzw. Fröhliche Weihnacht überall!**


*) Sorry, werbefinanziert.

**) Sorry, auch werbefinanziert und bitte jetzt ganz stark sein, denn SIE gehört nach Meinung vieler (Programmdirektoren) zu Weihnachten inzwischen dazu.

P.S.: Wer gerne die Originaltexte der Lieder nachlesen – und vielleicht sogar selber singen möchte – der klicke jetzt einfach hier.

Ostern ist diesmal anders.

Update 13.4.2020:

Für alle diejenigen, denen mehr nach Kultur, vielleicht auch nach etwas innerer Einkehr ist, empfehle ich dieses Video.

Der italienische Tenor Andrea Bocelli hat ein Osterkonzert im wegen der Pandemie menschenleeren Mailänder Dom gegeben. Sein Auftritt am Sonntag wurde live auf YouTube übertragen.

Das Video wird ergänzt durch beeindruckende Filmsequenzen menschenleerer Straßen von Mailand bis New York.

Bin ich systemrelevant?

Wir lernen in diesen Tagen jede Menge neuer Vokabeln, zum Beispiel Pandemie, Inzidenz, lockdown und: systemrelevant.

2008 waren das die großen Banken – relevant fürs Finanzsystem.
Heute sind es Ärzte, Krankenschwestern, Supermarktverkäuferinnen, LKW-Fahrer und diverse andere Alltagsheldinnen und -helden. Menschen, die in „normalen“ Zeiten einfach so da sind, ihren Job tun, kaum besondere Aufmerksamkeit bekommen – und oft auch keinen besonderen Lohn. Aber relevant für die Gesellschaft, dafür dass „der Laden überhaupt läuft“.

Alle anderen, die keinen der aktuell so „gefeierten“ Berufe haben, könnten (und sollten vielleicht) sich nun mal fragen: Und ich? Wird das was ich tue überhaupt wirklich gebraucht? Und wofür eigentlich?

Der Fachkräfte-Mangel ist schon länger ein Problem in Deutschland, dafür brauchte es Corona nicht. Doch nun tritt noch deutlicher zutage, dass an ganz wichtigen Stellen zu wenige ganz wichtige Leute da sind. Weniger Menschen sind wir nicht geworden in den letzten Jahrzehnten in Deutschland, daran kann´s also nicht liegen. OK, viele scheiden altersbedingt jährlich aus dem Berufsleben aus. Auf der anderen Seite werden in vielen Wirtschaftsbereichen inzwischen weniger Menschen gebraucht – durch Rationalisierung und neuerdings durch die „Digitalisierung“. Blieben also genug Leute übrig, die sich in den diesen wichtigen „systemrelevanten“ Jobs betätigen könnten.

Wollten Kinder früher Lokführer, Lehrerin, Krankenpfleger/in oder Polizist werden, so sind die Vorstellungen heute allerdings andere: „Youtuberin“, „Fußballprofi“, „Popstar“, „irgendwas mit Medien“ oder ein Startup gründen. Hmm, systemrelevant?

Die klassischen, aktuell gerade wieder als enorm wichtig (wieder-)erkannten Tätigkeiten, Fähigkeiten und Fertigkeiten waren und sind nicht attraktiv genug. Geld verdienen lässt sich woanders leichter und schneller. Und bringen auch mehr „fame“. Wie bekommen wir es also hin, dass die systemrelevanten Tätigkeiten auch entsprechend ihrer Wertigkeit entlohnt und gewürdigt werden?

Und wie würde es in Deutschland aussehen, wenn die vor einiger Zeit der Schule entwachsenen Blogger oder Youtuber, Marketingberaterinnen oder Sales Manager in der Zeit in der sie sonst bloggten, Videos schnitten oder „managten“, sich stattdessen hätten ausbilden lassen zu Sanitätshelfern, Krankenpflegerinnen usw. Überhaupt: Wenn wir allesamt davon mehr verstünden, sozusagen als „Grundausbildung zum Leben und Überleben“. Der gerade verstorbene Rüdiger Nehberg hat auf extreme Weise vorgemacht, wie man leben und überleben kann – wenn man weiß wie.

Braucht es ggf. ein Pflichtjahr für alle, in dem gesellschaftlich wichtige („systemrelevante“) Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt werden? Ja, ich weiß: Das klingt nach DDR, nach Nazizeit und chinesischen Drillmethoden. Es ist politisch umstritten. Und dennoch: Wie viel kollektive Solidarität braucht ein Land als ständige Reserve für Krisenzeiten und auch außerhalb dieser?

Ganz wichtig: Ich möchte dies hier nur als Debattenbeitrag verstehen, das ist noch keine abschließende Wertung. Einen kleinen Diskurs, der weitere Aspekte berücksichtigt, gab es dazu im August 2018 bei tagesschau.de.


Zum Abschluss noch ein kleiner gedanklicher Ausflug: Überlege mal, was Du bei Dir zu Hause als „systemrelevant“ einstufen würdest. Was sind also die Dinge, ohne die es echt nicht gehen würde. Katastrophe! Und dann schau mal hin, wer genau das zuhause macht:

  • Klo putzen
  • Müll runterbringen
  • Essen für die ganze Familie kochen
  • Geschirrspüler ausräumen
  • Wäsche waschen
  • Computer und WLAN für alle am Laufen halten

Hurra, ICH bin systemrelevant!

Erzwungene Entschleunigung

Ich habe es gut: Ich darf jetzt zuhause arbeiten, ich habe Menschen um mich herum, ich muss derzeit (noch) keine Angst um mein Einkommen haben, es ist genug Essen für die Familie da, ich bin (noch) gesund – und das Wetter wird in Kürze frühlingshaft.

Und ich bekomme Inspiration für meine eigenen Gedanken und Gefühle. Eine alte Bekannte aus früheren NLP-Tagen betreibt einen Blog. In ihrem aktuellen Blogartikel schreibt sie davon, was auch mich schon gedanklich beschäftigt hat: „Ich weiß einfach nicht, was richtig ist, in diesen Zeiten, bin hin- und her gerissen.“ – Hier weiterlesen bei ‚Offene Horizonte‘. –

Ambivalent ist auch die gesamte Situation momentan. Abermals in meinem Blog möchte ich unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zitieren:

"Wenn wir morgens aufwachen, dann erkennen wir unsere Welt zwar wieder, aber sie scheint doch seltsam unwirklich. [...] Manche von uns trifft die Krise schon heute besonders hart, durch Krankheit, durch Einsamkeit oder durch wirtschaftliche Sorgen. Viele andere erleben diese Tage eher als eine Art erzwungene Entschleunigung. Wir sind zur Ruhe aufgerufen und spüren doch eine innere Unruhe."

Ja, unbestritten: es ist es für sehr viele von uns eine wirklich harte Zeit. – Und dennoch: Persönlich kann ich auch dem Begriff „erzwungene Entschleunigung“ etwas Positives abgewinnen. „Nix dürfen“ heißt gleichzeitig „Nix müssen“. Was will ich damit sagen?

Keiner erwartet meinen Besuch – den ich sonst vielleicht nur widerwillig abstatten würde. Kein innerer „Imperativ“ befiehlt mir, mal wieder shoppen zu gehen – ohne dass ich wirklich was brauche. Kein Hetzen von Termin zu Termin, keine verspätete Bahn, kein Stau – ich bin und bleibe ja zuhause. Hey, und ich muss eigentlich auch nicht mehr aufräumen und putzen, weil ja keiner zu Besuch kommt! Na, und dass jetzt jeden Tag bad-hair-day ist, liegt ja wohl nicht an mir, sondern daran, dass die Friseure zu haben. Faulenzen wird salonfähig, ja, man bekommt eventuell sogar Mitleid ab. Schon etwas perfide, oder? Gebe ich zu.

OK, das Ganze kann dann natürlich auch in die Gegenrichtung umschlagen: Keine Verpflichtungen zu haben führt zu Beliebigkeit, zum bloßen Abhängen, zum Essen aus Langeweile. Oder zum RTL2 schauen. Doch wollen wir nicht gleich das Schlimmste befürchten.

In der aktuellen „Corona-Krise“ erreicht breite Bevölkerungsschichten, was Langzeitarbeitslose, Rentner und andere Leute mit zu viel aufgezwungener Tagesfreizeit längst kennen: Ohne strukturgebende Tagesaktivitäten, ohne Aufgaben und Ziele wird man rasch zum Schlunz. Perspektiv- und Ziellosigkeit steht oft am Beginn der Selbstaufgabe oder Selbstvernachlässigung.

Damit Dir das nicht auch passiert, hier eine Aufgabe für Dich. Wenn Du sie richtig machst, beschäftigt sie Dich ein bis zwei Stunden. Und wenn Du Glück hast, sogar Dein ganzes weiteres Leben.

Beginne mit der Frage: Was würdest gern Du nachholen, anders machen oder neu beginnen, sobald die Corona-Krise vorbei ist.
Vielleicht hilft Dir die folgende kleine Übung. Diese wurde eigentlich für eine kleine persönliche „Inventur“ zum Jahreswechsel erdacht, passt aber für die derzeitige Situation besonders gut, wie ich finde.

Und falls Du Dich noch nicht aufraffen kannst, weil Du „hin- und hergerissen“ bist, ob das was für Dich ist, dann lies vielleicht zunächst diesen Artikel.

Dein inneres Team

Du kennst vielleicht folgende Situation: Es ist Samstag Vormittag, schönes Wetter, 25 Grad. Ideale Bedingungen, um entweder einen Fahrradausflug mit der Familie zu machen, den Rasen zu mähen oder sich mit einem guten Buch auf die Terrasse zu legen.

Was nun? Drei Alternativen, wahrscheinlich ließen sich auch noch mehr finden bei dem Wetter, doch wofür entscheiden? Vermutlich „hörst“ Du nun unterschiedliche Botschaften in Deinem Inneren:

  • „Du solltest mal wieder etwas mit der Familie tun, wo du doch die ganze Woche über erst abends nach Hause kommst.“
  • „Der Rasen ist schon so hoch, das wird immer mühsamer, mit dem Mäher da durch zu kommen. Und die Nachbarn schauen auch schon so komisch.“
  • „Mal wieder so richtig „abtauchen“ in einen packenden Roman, das wäre was!“

Gerade so, als wenn da im Inneren verschiedene Leute sitzen, von denen jeder eine andere Meinung hat, was nun das Richtige wäre. Jeder mit einer anderen Idee. Und dabei hat jeder ja irgendwie recht!

  • Die Familie ist tatsächlich in letzter Zeit etwas kurz gekommen. Und außerdem täte ein wenig Bewegung sowieso mal wieder gut.
  • Eigentlich möchte ich auch, dass der Garten gut aussieht und bei den Nachbarn will ich ja auch nicht schlecht da stehen. Und der Mäher mäht halt auch nur bis zu einer bestimmten Grashöhe ordentlich, danach wird´s mühsam.
  • Meinem Geist sollte ich auch mal eine neue Anregung geben, da wäre so ein Romanklassiker ideal.
Jetzt bin ich wirklich neugierig, wer stärker ist, ich oder ich. 
Johann Nestroy

Mindestens drei Stimmen also, die jede für sich nur das Beste für Dich wollen. So ist es tatsächlich. Da wir in für die verschiedenen Bereiche unseres Lebens jeweils Bedürfnisse haben, kommt es vor, dass diese zeitgleich zu Tage treten. Und die Bedürfnisse melden sich als innere Stimmen mit ihren jeweiligen Botschaften. An Dir ist es nun, dieses Stimmenwirrwarr zu bändigen, denn Du willst oder musst Dich ja für eine der Alternativen entscheiden.

Wenn Du genau auf die Botschaften hörst, dann wirst Du feststellen, dass jede einer bestimmten Persönlichkeitsströmung oder auch einem Persönlichkeitsanteil in Dir entspringt. Nehmen wir dazu aus dem obigen Beispiel die erste Alternative: Fahrradausflug. Welcher Anteil in Dir sagt: „Mach das!“? Das kann z.B. der harmoniebedürftige Anteil in Dir sein. Wenn Du wieder nichts mit der Familie unternimmst, dann ist es mit dem Familienfrieden bald vorbei. Gleichzeitig könnte auch der fürsorgliche Part wollen, dass Du Dich um Deine Kinder kümmerst, damit aus diesen fröhliche und selbstbewusste Erwachsene werden. Und außerdem solidarisiert sich da noch der gesundheitsbewusste Anteil, der Dir dringend zu körperlicher Betätigung rät.

Bei der zweiten Alternative, Rasen mähen, kommt entweder Dein ästhetischer oder Dein Ordnungssinn durch. Unterstützt wird dieser, mit Hinweis auf die Nachbarn, durch das Bedürfnis, Anerkennung zu bekommen oder Ansehen zu bewahren. Und die Furcht, dass der Rasenmäher das nicht mehr schafft rührt vielleicht aus einer Bequemlichkeitshaltung: Wenn schon Rasen mähen, dann aber bitte schön einfach und ohne große Anstrengung. Zur dritten Alternative (Roman) fällt Dir bestimmt selbst etwas ein.

Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft. 
Novalis

Verschiedene psychologische Theorien haben sich bereits mit diesem Thema der unterschiedlichen Stimmen, Anteile oder Persönlichkeitsmerkmale beschäftigt. Mir persönlich gefällt dabei das Modell des „inneren Teams“ nach Friedemann Schulz von Thun am besten. Dabei können wir uns die einzelnen Stimmen tatsächlich von unterschiedlichen Teammitgliedern stammend vorstellen. Jedes Mitglied des inneren Teams ist verantwortlich dafür, bestimmte Dinge für uns durchzusetzen, die uns als Gesamtperson gut tun. So ist im obigen Beispiel z.B. der „Harmoniebedürftige“ im Team ausschließlich dazu da, Harmonie zwischen uns und den Leuten um uns herzustellen und zu bewahren. Dies tut er mit Vehemenz und meldet sich dementsprechend immer dann zu Wort, wenn die Harmonie bedroht erscheint. Oder der „Fürsorgliche“ – er sagt unter anderem: „Kümmere Dich um Deine Kinder, Sie brauchen Dich!“ und appelliert an unser Verantwortungsbewusstsein als erwachsener Mensch.

Woher kommen nun diese unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile, warum gibt es dieses „Innere Team“?

Woher kommt Gesundheit?

„Bleib‘ gesund.“ – Kaum ein Satz fällt in diesen Tagen von „Corona“ öfter. Doch was heißt „gesund“?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dazu schon 1948 definiert:

"Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen."

Und die Frage, die sich nicht nur bei der Ernährung stellt, lautet: „Was ist gesund, was hält gesund, was macht gesund?“

In der Regel wird heutzutage danach geforscht, was Krankheiten verursacht. Hier soll es hingegen darum gehen, was die Gesundheit erhält. Klar brauche ich auch Orientierung, was ich besser vermeide, damit ich nicht krank werde. Aber was kann ich aktiv tun, um meine Gesundheit zu fördern? Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) hat in den 1970er Jahren den Begriff der „Salutogenese“ als Gegenbegriff zur Pathogenese entwickelt. Er bedeutet soviel wie „Gesundheitsentstehung“. Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit kein Zustand, sondern muss als Prozess verstanden werden. So gibt es Faktoren im Lebenswandel, die eine direkte Wirkung auf unsere Gesundheit haben.

Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung. Und sie gedeiht mit der Freude an Leben. 

Thomas von Aquin (1224-1274 - Philosoph und Dominikanerpater) 

Weiterlesen:
Gesundheitliche Schutzfaktoren – Der Begriff der Salutogenese

Corona: Kontaktverbot

Früher, also noch letzte Woche, war es so, dass man die Straßenseite gewechselt hat, wenn einem eine Person begegnet ist, die man auf keinen Fall treffen wollte. Zum Beispiel die „Ex“.

Heute habe ich mich dabei ertappt, über die Straße zu gehen und dabei zu beobachten, dass ein mir unbekannter Mensch zufällig gleichzeitig das Gegenteil tat, nämlich auf meine bisherige Seite zu wechseln.
Und ich fragte mich in diesem Moment: Denkt er vielleicht, dass ich seinetwegen auf die andere Seite gehe wegen Corona? Oder wollte er mir ausweichen, um den jetzt verordneten Abstand einzuhalten? Verrückte Gedanken in einer verrückten Zeit.

Wenig später sehe ich scheinbar eine Warteschlange vor Aldi (war letztlich gar keine, sah aber so aus). Und ich denke: Aha, nun also (wieder) Schlangen vor der „Kaufhalle“. Der Ossi kennt´s und hat ein Déja vu, der Wessi muss sich daran erst gewöhnen. Ich muss schmunzeln über den Gedanken und frage mich, ob wirklich der Kapitalismus über den Sozialismus gesiegt hat. „So seh´n Sieger aus…“

Dann treffe ich eine Nachbarin auf der Straße und wir unterhalten uns in den empfohlenen zwei Metern Abstand und zwar mit lauter Stimme, weil es doch auch jetzt noch so etwas wie Verkehrslärm gibt. Das Thema natürlich: Homeoffice, und dass das eigentlich gar nicht so schlecht ist.

Später am Tegeler Hafen erlebe ich sie dann doch: Die Stille. Faszinierend, wie ruhig diese Stadt an einem Montag Nachmittag sein kann. Und das jetzt nicht irgendwo an der Stadtgrenze sondern doch noch einigermaßen urban.

Das Gefühl von Ruhe setzt sich bei meinem Spaziergang am Seeufer fort. Normalerweise kann man hier oft den Fluglärm vom Airport Tegel deutlich vernehmen. Heute bleibt es still. Und selbst die doch nicht wenigen Nachmittagsspaziergänger wirken irgendwie ruhiger als sonst. Eigentlich schön – könnte das nicht vielleicht dauerhaft so…,? Ich mein´ ja nur. –  Nein, nicht wirklich, wenn man an die Ursache denkt. 

Aber: Ist die Ruhe am Tegeler See vielleicht der Vorgeschmack auf den geschlossenen Flughafen? Wow, so fühlt sich das Leben nach TXL also an! Doch halt: Was wollten die nochmal machen, bevor der BER in Betrieb geht? Und wann? Einen Belastungstest mit Tausenden von Komparsen mit Gepäckabfertigung usw. – im Sommer. Meine Einschätzung: Vergesst es! Nun ja, es wäre wirklich Ironie des Schicksals, wenn nun auch noch eine Pandemie das Ganze weiter verschiebt beim ohnehin nicht zu wenig von „Schicksalsschlägen“ und anderen Katastrophen heimgesuchten Hauptstadtflughafen. 

So dauert mein Spaziergang letztlich zwei Stunden und ich kehre zum Schluss noch bei Rossmann ein. Gleich vorweg: Nein, es gab kein Klopapier mehr um 18 Uhr, vielleicht morgen ab sieben, aber nach acht dann schon nicht mehr, meint die Kassiererin. Erstaunlich entspannt kann ich um diese Zeit durch die Gänge schlendern, keine Hektik und überhaupt recht leer der Laden. Auch das könnte von mir aus immer so sein: Gelassenheit, Ruhe und freundliche, friedliche Menschen unterwegs.

Danke für den heutigen Nachmittag, Corona!

 

Corona-Sichten

Hallo zusammen,

na, brav zuhause? Gut so.
Nein: Eigentlich Mist! Aber es geht nicht anders.

Meine Generation hatte es gut bisher. Frieden seit 75 Jahren, Wohlstand, Freiheit. Nun also unser Belastungstest. Schaffen wir, oder?

Damit Euch nicht so langweilig wird, habe ich gestern früh und an Tagen zuvor ein paar Fotos zum Thema geschossen (Ja, draußen! Aber ganz früh und mit ausreichendem Abstand zu den (wenigen) Menschen auf den Straßen.)

Bleibt stark, bleibt gesund, habt Spaß und Zuversicht.

Grüße aus Tegel !